Es fühlt sich an wie Ostsee

Wir lassen uns nicht unterkriegen. Um unseren Literaturbetrieb auch in diesen schwierigen Zeiten fortsetzen zu können, hat der Vorstand ab sofort diese Online-Werkstatt ins Leben gerufen. Jedes Vereins-Mitglied, der Interesse zur Diskussion seiner Texte hat, kann diese beim Vorstand einreichen. Wir werden sie dann hier veröffentlichen und zur Diskussion freigeben.
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Heyne
Beiträge: 3
Registriert: Do Apr 02, 2020 12:05 pm

Es fühlt sich an wie Ostsee

Beitrag von Heyne »

Das Virus hat die Welt in seinem eisernen Griff. Corona bestimmt unser Leben. Vor acht Wochen zwang die Pandemie uns zu einschneidenden Maßnahmen: Kitas, Schulen, Seniorenheime, Kultur-einrichtungen, Gaststätten, Verwaltungen und Betriebe geschlossen, Ausgangsbeschränkungen, Mund-Nase-Maskenpflicht, Abstand zueinander halten ...
Oberstes Ziel ist, so viele Menschenleben wie möglich zu retten. Noch haben wir keinen Impfstoff und kein Medikament. Die Forschung läuft auf Hochtouren.
Die Ärzte und Schwestern in den Kliniken, die Pflegerinnen und Pfleger in den Altenheimen und im ambulanten Dienst, die Verkäuferinnen und Verkäufer in den Lebensmittelgeschäften, das Personal im öffentlichen Nahverkehr, die Post- und Paketzusteller und viele andere leisten unter Einhaltung der Hygienebestimmungen übermenschliches.
Unter enormen Anstrengungen arbeiten viele Muttis und Vatis zu Hause. Homeoffice heißt das neue Wort. Das ist aber noch nicht alles. Sie sind die zeitbedingten Lehrer ihrer Kinder, die oftmals einzigen Spielgefährten und Tröster der ganz Kleinen, sie sind Köchin oder Koch ...
Wer einen Beruf hat, der sich nicht für Homeoffice eignet, ist in Kurzarbeit. Sie oder er muss nun sehen, wie man mit sechzig oder siebenundsechzig Prozent des vorhergehenden Nettogehaltes sich und die Familie durchbringt.
Wie lange noch? Diese Frage kann zurzeit keiner beantworten.
Ich gehöre altersmäßig zur Risikogruppe. Ja, Rentnerin.
Von den Einschränkungen bin ich natürlich auch betroffen. Eigentlich. Es geht aber nicht so sehr an die Lebensgrundlage. Ich wohne am Rande einer Großstadt. Auf einem Dörfchen, wo sich Fuchs und Hase ...
Nein, hier ist es ganz anders. Ein Fuchs begrüßt mich jeden Morgen, wenn ich mir die Beine auf dem Feldweg vertrete. Er läuft auch nicht mehr weg. Kennt mich inzwischen als Nordic Walkerin. Eine Lärche trällert mir aus Wolkenhöhe den Rhythmus meiner Bewegungen. Krähen, Störche, Reiher und Greifvögel suchen auf den umliegenden Feldern nach Mäusen und Gewürm.
Geradeaus ragt der bunt bemalte Chemnitzer Schornstein des Kraftwerkes über den Hügel der Wiesen. Seine Abluft zeigt mir die Windrichtung an. Heute weht eine steife Brise aus West.
Eine steife Brise? Hier am Fuße des Erzgebirges. Jetzt geht wohl meine Fantasie mit mir durch? Sind das etwa die Auswirkungen des Corona-Urlaubsentzuges?
Oder doch nicht? Ich schaue nach oben. Weiße Ostseewolken durchpflügen den azurblauen Himmel. Darunter schwingen silbrig glänzende Vögel in einem großen Schwarm zwischen Himmel und Erde auf und ab. Sie grüßen den sonnigen Morgen und mich mit Möwenschreien.
Möwenschreie?
Es sind Möwen.
Auch sie angelockt vom üppigen Futterangebot des frisch gemähten Feldes.
Einwanderer, die sich wohl von Sardinen auf Regenwürmer umgestellt haben.
Es fühlt sich gut an und gibt Hoffnung auf die Zeit nach Corona.
Es fühlt sich an wie Ostsee.

Klaus Edelmann
Beiträge: 32
Registriert: Do Apr 02, 2020 3:34 pm

Re: Es fühlt sich an wie Ostsee

Beitrag von Klaus Edelmann »

Bis „Wie lange noch?...“ liest sich das eher wie ein offizielles Statement, das man so oder ähnlich schon gelesen oder gehört hat.
Da fehlt mir etwas die persönliche Sicht, die schon mit dem zweiten Satz verloren geht.
Die Aufzählung, was Dir am meisten fehlen würde, wärst Du nicht Rentnerin, wäre vielleicht interessanter(?).

Im zweiten Teil geht es (endlich) in Richtung Titel der Erzählung.
Und überzeugt mich nicht so richtig.

Eine steife Brise wünscht sich so mancher Segler nicht nur auf den Seen im Süden vom Leipzig.

Und die Möwen sind beileibe nicht von Sardinen auf Regenwürmer gewechselt. Sie haben sich von einstmals offenen Mülldeponien, auch südlich von Leipzig, im Land verteilt. Und im Müll sicher auch andere Leckerbissen kennen gelernt, so dass sie auf Fisch nicht angewiesen sind.

Damit ist schon alles angesprochen, was Dich an Ostsee erinnert. Das ist, am Titel gemessen, sehr wenig.
Finde ich. Eher denke ich schlicht an Urlaub.

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